Deutsche machen die meisten Überstunden

Deutsche machen die meisten Überstunden

Deutsche Arbeitnehmer machen nach Erkenntnissen der EU-Kommission in Brüssel im Durchschnitt mehr Überstunden als ihre Kollegen in den europäischen Nachbarländern. Der zuständige EU-Sozialkommissar Lazlo Andor sagte der Zeitung „Die Welt“: „In keinem Land der Euro-Zone gibt es einen so großen Unterschied zwischen der tarifvertraglich vereinbarten Wochenarbeitszeit und der tatsächlichen Wochenarbeitszeit wie in Deutschland.“ Grüne und Linke kritisierten die Mehrarbeit. „Eine große Zahl von Überstunden führt unvermeidlich zu Stress und zur Überforderung der Beschäftigten“, erklärte die Grünen-Sprecherin für Arbeitnehmerrechte, Beate Müller-Gemmeke. „Das ist nicht akzeptabel, denn das macht die Menschen krank. Die tarifliche Arbeitszeit muss eingehalten werden.“ Ähnlich äußerte sich Linken-Vorsitzende Katja Kipping: „Überstunden, selbst wenn sie bezahlt werden, machen krank und blockieren den Kampf gegen die Erwerbslosigkeit – sie sind nicht Ausweis unserer Leistungsfähigkeit, sondern der Beweis zu niedriger Löhne und eines falschen Leistungsdrucks. Überstunden sind ein großes gesellschaftliches Problem und nicht sexy.“
Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) geht sogar davon aus, dass die gut 38 Millionen Erwerbstätigen in Deutschland im zweiten Quartal durchschnittlich 11,9 Überstunden geleistet haben. Davon bekamen die Beschäftigten von ihren Arbeitgebern aber im Schnitt nur fünf Überstunden bezahlt oder durch Freizeit ausgeglichen. Zwischen April und Juni arbeiteten der IAB-Statistik zufolge Beschäftigte 262 Millionen Stunden ohne Bezahlung. Nach Ansicht von Verdi-Chef Frank Bsirske kommen Überstunden zum Nulltarif „faktisch einer Lohnsenkung gleich“, mit denen die Betroffenen ihre Arbeitgeber freiwillig subventionierten. „Sie pflegen einen oft selbstzerstörerischen Umgang mit den eigenen Ressourcen.“ Damit müsse sich jeder Einzelne auseinandersetzen, erklärte der Verdi-Chef. Eine Änderung dieser Praxis müsse von den Beschäftigten selbst ausgehen.
Quelle: Handelsblatt

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