Auf ein Neues, ThyssenKrupp

Arbeiter beim Abstich am Hochofen Schwelgern 1 der ThyssenKrupp AG

Edelstahlsparte soll verkauft werden

Auf ein Neues, ThyssenKrupp!

Schon wieder eine Baustelle bei ThyssenKrupp. Der Dax-Konzern nimmt einen neuen Anlauf, sein Edelstahlgeschäft zu verkaufen. Aber dies dürfte schwierig werden. Was am Ende steht, ist unklarer denn je.

Eigentlich hatte ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger das Thema Inoxum, also die Edelstahlsparte des Konzerns mit dem Spezialstahlproduzenten VDM und der italienischen Tochter Terni, bereits lange abgehakt. Aber nach dem gescheiterten Verkauf der Sparte an den finnischen Konkurrenten Outokumpu vor über einem Jahr köchelt das Thema im Konzern weiter vor sich hin.

Wie nun das “Handelsblatt” schreibt, unternimmt der Konzern jetzt einen neuen Anlauf, das unliebsame Geschäft los zu werden. Wie aus Insiderkreisen verlautete, werden derzeit potenzielle Interessenten angesprochen, ob sie an einer Übernahme interessiert seien.

Hauptsächlich Finanzinvestoren im Boot

Den Ruf dürften hauptsächlich Finanzinvestoren hören. Denn der Edelstahlmarkt schwächelt, schon Outokumpu war nach der Übernahme mit dem Verkauf der Sparte gescheitert. Dieser war notwendig geworden, weil sich die Finnen zuvor mit der Übernahme verhoben hatten und vor dem Aus standen. Um dies zu vermeiden, ging die ungeliebte Sparte seinerzeit wieder an den Verkäufer, also ThyssenKrupp, zurück.

Einige Finanzinvestoren dürften deshalb den Vorgang schon zum zweiten Mal auf dem Tisch liegen haben. Aber auch die professionellen Renditejäger können nicht zaubern. Tatsache ist, dass der Edelstahlmarkt von Überkapazitäten gekennzeichnet ist und kaum Geld verdient wird. VDM hatte zuletzt seine Gewinnerwartungen zurückgenommen. Experten erwarten bestenfalls ein ausgeglichenes Ergebnis und bleiben auch beim Ausblick zurückhaltend.

In der Zwickmühle

Die trübe Branchenkonjunktur drückt natürlich auf das Preisniveau für VDM, das rund 2.000 Mitarbeiter beschäftigt. Die Preisvorstellungen von einer Milliarde Euro, die seinerzeit Outokumpu hatte, dürften daher ziemlich unrealistisch sein.

“Der realistische Wert liegt bei 200 Millionen Euro”, heißt es im Umfeld des Unternehmens. Pikant dabei: ThyssenKrupp hat den Bereich noch mit 912 Millionen Euro in der Bilanz stehen. Offiziell äußerte sich ThyssenKrupp nicht zu einem möglichen Verkauf von VDM.

ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger

ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Bei dieser verzwickten Ausgangslage ist es also auch möglich, dass der Edelstahlbereich erst einmal im ThyssenKrupp-Konzern verbleibt. Dies, obwohl Heinrich Hiesinger stets betont hat, dass das Geschäft nicht mehr zum Kernbereich des Unternehmens gehört. Allerdings vertritt der ThyssenKrupp-Chef auch die Meinung, dass Beteiligungen nicht mehr zu jedem Preis verkauft werden müssen. Für die Beschäftigten könnte sich also ein schmerzlicher Weg abzeichnen, denn alles deutet auf ein Sparprogramm hin.

Aktie konsolidiert

In einem schwächeren Marktumfeld verliert die ThyssenKrupp-Aktie heute leicht unterdurchschnittlich. Seit dem Frühjahr, dem bisher letzten größeren Anstieg, hat sich aber nicht mehr viel getan. Das Jahreshoch lag im Juli bei etwas über 22 Euro, aktuell steht die Aktie etwas tiefer. Sie hat sich aber vom Zwischentief aus dem August bei knapp unter 20 Euro wieder erholt. Insgesamt sieht es nach einer tragfähigen Bodenbildung bei Kursen um 21 Euro aus.

rm

Stand: 22.09.2014, 10:58 Uhr

http://boerse.ard.de/aktien/auf-ein-neues-thyssenkrupp100.html

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